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Sagen, Märchen und Bräuche aus Zedlitzfelde und Umgebung. Dieser Bereich lebt von Erzählungen der älteren und damaligen Einwohner in dieser Gegend.

Sage der 7 Bachmühlen

Die Sage hierzu erzählt von den Wohlhabenden Müller, dessen stolzer besitzt diese 7 Wassermühlen einst gewesen sind und deren Räder unendwegt drehten, Tag um Tag. Seine 7 Söhne sollten Ihn einst beerben, jeder von Ihnen eine Mühle. So war für alles bestens gesorgt, dachte der Müller. Kaum aber hatte er seine Augen für immer geschlossen da begann schon zwischen den Söhnen lauthals der Streit um das Erbe, das es nur so durch den Stillen Wald schallte. Ein Zauberer aber der in der Nähe der Mühlen hauste, schrie die Brüder darob an: "Ihr werdet Euch bald einig sein" und ehe sie sich versahen, waren alle 7 in einen rauschenden Bach verwandeltund sie mussten Tag für Tag die ungefügen Räder Ihrer Mühlen treten.

So wird auch der Name " 7 Brüderbach" erklärt, der bis auf den heutigen Tag besteht. Die Mühlen selber aber sind eines der belibtesten Ausflugsziele der Stettiner gewesen. Unser Bild zeigt die Mutgebermühle.

Überwiegend wurden die Mühlen Bewirtschaftet und luden freundlich zur Rast ein. Nacheinander folgten in Reizvoller Lage Obermühle (Jugendheim), Klappmühle, Bergmühle, Mutgebermühle, Schmetterlingsmühle, Kaisermühle und Kuckusmühle.

1949 gab es noch 3 von den erwähnten Mühlen. Leider existiert heute nur noch die Obermühle, die heute als Jugendheim genutzt wird.

 

Glocken im Glambecksee

Da wo heute der Glambecksee bei Stettin liegt, ist einmal eine große Stadt gewesen, die um irgend eines Frevels willen in der Erde versunken ist. Doch ist das schon so lange her, dass keiner mehr weiß, wie es sich zugetragen.

Da aber etwas daran sein muss, ist einmal offenbar geworden, als zwei kleine Mädchen aus einem nahen Dorfe am Johannistag um die Mittagszeit an den See kamen, um ihre Puppenwäsche zu waschen. Beim Näherkommen

ist es ihnen gewesen als rufe es aus dem See herauf:

"Anne Susanne,

Kumm mit mi to Lanne"

Sie haben sich aber nicht weiter gewundert, dass am Strand etwas lag wie zwei große runde Steine, und haben ihre Wäsche gewaschen und sie auf den einen Stein zum Trocknen gebreitet. Nach einer Stunde aber hat der andere

Stein angefangen sich zu bewegen und war eine große Glocke, die sich wieder aufmachte in ihr nasses Grab. Und dabei hat sie gerufen:

"Sunne, Kunnigunne,

Kumm mit mi to Grunne"

Die andere Glocke aber, die von der Puppenwäsche gebannt war, hat dumpf und klagend geantwortet:

"Anne, Susanne,

Ick kann ni!"

 Da rannten die beiden kleinen Mädchen zurück ins Dorf und erzählten, was ihnen begegnet war, und als die Leute die eine große Glocke ruhig liegen sahen am Seeufer, machten sie sich gleich daran, den Schatz zu   bergen.  Den schwersten Wagen nahmen sie, der im Dorf war, und spannten sechs starke Gäule davor, und als sie mit aller Männerkraft die Glocke auf den Wagen gebracht, da sollte es losgehen: Hüh! Der Wagen aber 

stand wie an gemauert auf der Erde und rührte sich nicht, ob auch die Pferde immer wieder ins Geschirr sprangen und der Fuhrmann seine Peitsche knallte und schließlich fluchte:"Den Dunnerslag! Ji Deukers willt nich trecken.

Da aber fuhr vom hellen Johannishimmel ein  wirklicher Donnerschlag hernieder, und gleich darauf wurde unter dem Wagen und den Pferden der Boden weich wie Moorgrund, und alles, die Pferde und der Wagen und die Glocke darauf, begannen zu versinken, so schnell, daß kaum der Fuhrmann und die anderen Leute beiseite springen konnten, ihr Leben zu retten.

Seitdem hat man nichts mehr von den Glocken im Glambecksee gesehen, nur mancher meint, er habe es noch an hellen Mittagen um die Johanniszeit herauf klingen hören "Anne, Susanne...." und dumpf die Antwort:

"Sunne, Kunnigunne..."

 

 

Diese Rubrik soll Ihnen das Siebenbachmühltal und den Messenthiner Wald mit seinen schönen Wanderwegen näher bringen. Hierzu haben wir einige Berichte, Karten, Bilder und Skizzen zusammen getragen.

Zum Gedenken und Ehren an den Messenthiner Waldverein zu Stettin der von 1907 bis 1945 bestand wurden mehrere Wanderungen von dem Förster Herrn Nowaczewski und Herrn Prof. Kurt Bergunde organisiert und durchgeführt. Zu erwähnen sei hier noch die Wandergruppe Frau Kipper, die an den Wanderungen teilnahm.

 

Hierzu noch einmal recht herzlichen Dank an folgende Personen die dieses ermöglicht haben:

  • Förster Herr Nowaczewski
  • Dr. Hans Günter Cnotka
  • Pfarrer Jan Kazieczko

Besonderer Dank gilt auch der Familie Czaplewski für Ihre Gastfreundschaft (Wanderung 1995).Info zu dem Bild rechts: Der freigelegete Kirchplatz mit dem grossen Christuskreuz im Mai 1993 links Frau Haag-Bergunde in der Mitte Herrn Nowaczewski und rechts Frau Brigitte Kipper.

An dieser großen Maiwanderung von 1995 nahmen teil:Prof. Kurt Bergunde, Dr. Hans Günter Cnotka, Magarete Czunski, Margot Kabattek, Brigitte Kipper, Cili Nicowicz, Wania Rateij, Helene Sielizka, Ursula Zander und Christel Zywizcka

Am Abend nach der Weihe des Gedenkkreuzes 02. November 1993

Eingeladen bei der Familie Czapilewski in Zedlitzfelde. Hinten Bild links Pfarrer Jan Kazieczko und rechts in der Türe stehend der Sohn Marek der Gastfamilie.

 Maiwanderung 1993

Wanderung mit dem Förster von Wussow zur Herzogseiche 1993

 

Maiwanderung auf den

Spuren des Messenthiner Waldvereins

Stettin, am Sonnabend, 27.05.1995

Teilnehmer: Prof. Kurt Bergunde, Bremen Dr. Hans Cnotka, Kiel Margarete Czunki, Stettin Margot Kabettek - Jerka, Stettin Brigitte Kipper, Stettin Caecilia Nicowiecz, Stettin Wanda Rateij, Stettin Helene Sielicka, Stettin Ursula Zander, Galmsbüll/Niebüll Christel Zywizcka, Stettin

Skizze der Rundwanderung bitte hier klicken! 

Maiwanderung durch den Messenthiner Wald

Frühmorgens am 27 Mai 1995 starteten 10 Wanderfreunde /7 Frauen von der örtlichen Gesangsgruppe des DFK zusammen mit 3 Stettinern aus dem westen) mit dem Linienbus von der Innenstadt nach Messenthin. Das Ziel war die Erwanderung des Warsower Plateaus.

Kurt Bergunde, Bremen, hatte man die Führung von Messenthin über Neuendorf in Richtung Herzogseiche anvertraut mit dem Endziel Zedlitzfelde. Ein Rundgang durch Messenthin, vorbei an den unter Denkmalschutz stehenden uralten Bäumen, ließ ahnen, warum gerade in diesem Ort im Jahre 1907 der "Messenthiner Waldverein" gegründet wurde.

Auf seinen Spuren wollte man jetzt wandern. Heutzutage gibt es hier keinen polnischen Tourismus; das wurde deutlich an der verlassenen Bahnstation und der zweckentfremdeten und heruntergewirtschafteten "Messenthiner Waldhalle". Vom zweiten Niveau eines früheren Haffstausees (ca. 25m über NN) ging es durch das Maigrün des Messenthiner Waldes hinauf auf die über 100 m hochgelegene Fläche des 700 jährigen Bauerndorfes Stettin Neuendorf. Die Kirche konnte nur von außen besichtigt werden.

Über weite Felder, die so recht zum Gesang einluden, führte der Weg dann wieder zum Waldgebiet. Die Richtung zur Zwillingseiche, die neben der abgetragenen Herzogseiche auch heute noch zu bewundern ist, wurde jedoch knapp verfehlt. Dafür entschädigte der verkürzte Pfad entlang der Waldschneise am Schulzenkampbach zur Zedlitzfelder Lehmkuhle.

Die Schönheit der Natur erfreute alle: Der herrliche Buchenwald mit den V-förmig eingeschnittenen Beeken und dazu gelegentliche Maiglöckchen stellen passten so recht in den sonnigen Tag. Bei den Ruinen der früheren Villa des Malers Troschel wurde das Wanderziel Zedlitzfelde um die Mittagszeit erreicht.

Beim ersten Haus neben den zerstörten Gasthaus "dreilinden" begrüßte uns eine Frau in deutscher Sprache" Ihr seid heute aber in großer Zahl gekommen"! Doch die Wanderer konnten heute hier nicht einkehren, denn sie wurden bereits an anderer Stelle erwartet. Beim gastfreundlichen polnischen Forstwart Czaplewski war schon der Mittagstisch mit anschließender Kaffeetafel gedeckt.

Erst hier entdeckten 3 Wanderfreundinnen das sie allesamt aus dem gleichen Kreis Flatow stammten. Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Gang zum Holzkreuz auf dem Zedlitzfelder Kirchplatz, wo der Katholische Pfarrer Jan Kazieczko aus Neu-Pölitz eigens für unsere Gruppe erschien zu einem Gebet und freundschaftliche Worte auszutauschen.

Die Rückfahrt erfolgte über Pölitz mit dem Linienbus nach Stettin. Dort klang der erlebnisreiche Wandertag aus mit den Worten, die der Festschrift zum 25 - jährigen bestehen des "Messenthiner Waldvereins" im Jahre 1932 entnommen wurden: "Freut Euch des Lebens an schönen Sommertagen, aber schützt auch die hungrigen Vögel im kalten Winter. Wer die Natur und die Vorgänge genau beobachtet, der wird bald mit ihr auf vertrautem Fuße stehen, der wird sie immer wieder bewundern und lieben, weil er weiß, das es die HEIMAT ist, die solche Schätze birgt. Und so wird er seine Liebe auf diese Heimat übertragen und im Herzen bewahren.

Das ist es, was die Messenthiner Wanderfreunde anstreben und erhalten wollen: Die Liebe der Bevölkerung zu ihrer Pommerschen Heimat!" Die Zukunft wird zeigen, ob dieser Wandertag eine einmalige Veranstaltung war oder ob die geäußerten Wünsche bald wahr werden. Die Wiederbegründung eines "Stettiner Waldverein" mit regelmäßigen Wandertagen im Laufe eines jeden Jahres.

Dr. Hans - Günter Cnotka

Besonderen Dank der Gastfreundschaft von Familie Czaplewski an diesem Tage!

Der Förster Herr Nowaczewski führte mehrere Wanderungen durch die in dankbarer Erinnerung geblieben sind!

Kurt Bergunde - August 2007 -

 

Wegetabelle

Zu den schönsten Wanderungen des „Messenthiner Waldvereins" gehörten die Wege ins
Siebenbachmühlental, das man am besten entweder oberhalb der alten Schule des Stettiner
Vorortes WUSSOW anwandert oder unterhalb des Forsthauses Wussow, jeweils hinunter
zum Glambecksee oder vom Glambecksee hinauf über die Kaisermühle - die einzige noch
nach 1945 erhalten gebliebene Mühle im Siebenbachmühlental. - Die Zedlitzfelder
Dorfschule machte 1940 unter der Leitung des Lehrers Rohjahn von Zedlitzfelde über die
Herzogseiche und Vogelsang eine Tageswanderung über das Siebenbachmühlental zum
Glambecksee, 1940 besuchten wir also erstmals die Muthgehermühle ( entnommen aus
Heinz Gelinski „Stettin eine deutsche Großstadt in den 30er Jahren", Seite 179 ). Unser Foto
zeigt die heutige Wüstungsstelle.

Wir geben zur Orientierung im Gelände die Skizze eines Kartenauschnittes aus dem Meßtischblatt von 1938 bei und dazu auch die Wegetabellen, errechnet von Horst Mann ( gestorben am 4. Januar 2007 ) ; wir erkundeten im Frühjahr
2006 gemeinsam mit Horst Mann und Ehepaar Kirchner diese Wanderwege; dem großen Wanderfreund der Sfeftiner Buchheide Herrn Horst Mann gilt diese Mitteilung nun als ein ehrendes Andenken

Die Wüstungsstelle der bis 1945 erhaltenen Mutgebermühle ist im Foto festgehalten, Aufnahme von Kurt Bergunde, Mai 2006 Das Siebenbachmühlental im Norden Stettins erreicht man vom Glambecksee aus oder vom Treffpunkt der Kirche in WUSSOW.

  1. Wegetabelle vom Nordostausgang in WUSSOW zum Obermühlenweg als Start:,
  2. In Wussow führt von der alten Schule ein Weg zur Obermühle = 1,5km
  3. Obermühle bis Klappmühle = 2,0 km
  4. Klappmühle bis Bergmühle = 0,7 km
  5. Bergmühle - Muthgebermühle == 0,9 km
  6. Muthgeber-M.bis Papillon-M. = 0,6 km
  7. Papillon-M. bis Kaisermühle =0.75 km
  8. Kaiser-M. bis Kuckucksmühle =1,4 km
  9. Kuckucksmühle bis Glambecksee = 2,7 km dort erreicht man ein gutes Restaurant

Da die Gesamtstrecke 10, 25 km ergibt, empfiehlt sich eine Abkürzung so zu nehmen, dass
der Start bei der Muthgebermühle beginnt, auf deren „Wüstungsstelle" unser Foto hinweist.

Empfehlung: die Asphaltstrasse vom Glambecksee nach Wussow macht auf halber Höhe
einen Sprung nach links; wenn diese Strasse wie die Skizze des Messtischblattes im
Ausschnitt zeigt wieder in ursprünglicher Richtung parallel versetzt weiterläuft, führt links
der Wigandweg zur Stelle der früheren Muthgebermühle = diese Abkürzung ist also unsere
Empfehlung, und dann erreicht man abwärts über die Stelle der Papillon-Mühle, Kaiser-
Mühle /einzige erhaltene der sieben Bergmühlen, und die Position der Kuckucks-Mühle

hin unter zum Restaurant Nähe Glambecksee! Die gesamte Abkürzung dieser Wanderstrecke
von der Position Muthgeber-Mühle bis zum Restaurant beträgt ca. vier bis fünf Kilometer.Zur Information gehört ein Kartenteil als Ausschnitt aus dem Meßtischblatt von 1938 .... intern für den Historischen Arbeitskreis Stettin gehört dazu eine DIA - Serie von der letzten Wanderung im Mai 2006 mit Kirchners und unserem Freund Horst Mann (verstorben 04.01.2007)

-Kurt Bergunde/Juni2008-

Bugenhagenschule Staatliche Aufbauschule zu Pölitz 1922 - 1946

Das Buch berichtet aus der Zeit 1922 - 1946, hierzu ein kleiner Vorgeschmack.

Im Sommer 1946 wurde der unbeschädigt gebliebene Nordflügel zum Unterricht genutzt. Mit Beginn der Sommerferien 1946 wurde die Bugenhagenschule für immer geschlossen.

Die Leitung der Schule wusste, das Pölitz ab 1. September 1946 polnischer Verwaltung unterstellt wurde. Die russische Enklave war damit beendet. Zugleich wurde auch die 700- jährige deutsche Staatsgeschichte beendet. Damit war auch das Schicksal der Aufbauschule besiegelt.

Wir wollen all das dem steten Strom des Vergessens entreißen, was wegen der Kulturgeschichte der Stadt Pölitz erhaltenswert erscheint. Es möge als Frucht einer Besinnung auf 25 Jahre Schulgeschichte in Pölitz bis 1946 gewertet sein. Diese Geschichte der "Deutschen Aufbauschule Pölitz" überstand die Wirren der Inflationsjahre 1923/24, sie durchlebte zu Beginn der dreißiger Jahre die Weltwirtschaftskriese und blieb belastet mit Irrwegen des ab 1933 etablierten politischen Systems.

Zedlitzfelde:

Breitengrad: 53.53°N 14.53°O am 15.10.1939 bis 1945 in den Stadtkreis Stettin eingegliedert, Status - Landgemeinde, heute Siedlice(pol), Randow, Powiat szczecinski wiejski, Powiat Stettin-Land (1945 -) (Landkreis). 15,3 Km nach Stettin.

Nachbarorte und -dörfer:Pölitz, Hagen, Trestin, Messenthin, Hohenleese, Vogelsang, Falkenwalde.Von den Wasser - Leitlinien für Zedlitzfelde sind folgende vier "Beeken" oder Bäche aus dem Warsower Plateau kommend zu nennen, sie kommen von der Wasserscheide auf dem Warsower Plateau:Saugartenbach von Hohenleese
Kellerbach von der Richtung Herzogs- und Zwillingseiche, Schulzenkampbach bei der Messenthiner Straße
Hagenbach fließt von Neuendorf durch die Zedlitzfelder Feldflur zum früheren Fuchsberg, wo er sich als vierter Zusammenfluss aller vier vorgenannten "Beeken" sich vereinigt zu jenem größeren Heckelwerksmühlbach. Alle Bäche strömen über die Larpe in die Oder.

Unter dieser Rubrik finden Sie Kartenausschnitte, Skizzen und Wanderkarten. Wir haben zwecks der Größe mehrere Unterrubriken für Sie gestaltet, um eine bessere Übersicht und eine kurze Ladezeit zu gewährleisten.

Zedlitzfelde 1945, 25 Häuser mit Abbildung sowie Namen der ehemaligen Bewohner ( Bitte herunterladen 10 MB rechts klick "Ziel speichern unter)

 

Wir haben einige Gedichte aus der Heimat gesammelt und wollen diese zur Auffrischung hier online stellen.

Wenn auch Sie Gedichte aus Pommern haben und möchten, dass wir diese hier veröffentlichen, schreiben Sie uns eine E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Grüße an die Heimat 

Gedicht von Gisela Henkel, geborene Groth/Stettin Zedlitzfelde)

Heimat, dieses kleine Wort, bedeutet viel an einem fremden Ort.
Heimat, dieses starke Band, es hält uns fest ein Leben lang.
Wir haben Heimweh oft!
Verzicht, Entsagen - wie schwer ist dies alles zu ertragen.
Ruhelos wandern wir umher Jahr für Jahr, tagein, tagaus;
doch von all den vielen Straßen führte noch kein weg nach Haus:
darum lasst uns eine Brücke bauen über die Grenzen,
die Mauer und Stacheldrahtverhaue soll heut ein Gruß hinüber ziehn,
von Bremen bis in unsere Heimatstadt Stettin!

 

Pommernland

Im 1. Weltkrieg 1914/1918 erschien in einer Feldzeitung das nachstehende Gedicht.
Seine Entstehung verdankt es einer Bahnfahrt, auf der der Verfasser abfällige Äußerungen über Pommern richtig stellte. Leider ist der Name des Verfassers unbekannt (der Verfasser ist nach neusten Erkenntnissen Hugo Glaeser, hinzugefügt 21.12.2013) .

Einst hörte ich, dass man von meinem Heimatlande,
von meinem Pommern, recht verächtlich sprach,
ein ödes Land sei es, im Sumpf und Sande,
und Pommernvolk sei weit den andern nach!

Ich sprach: Verzeiht, darf ich mal fragen?
Habt ihr mein Pommern überhaupt gesehen,
saht ihr auf Rügen unsere Stubnitz ragen
und unserer Stubbenkammer Felsen stehn?

Zogt ihr entlang den Forellenbächen,
durch Täler weit, beim lieblichen Polzin,
saht ihr die körnerschweren Weizenflächen,
bei Pyritz, Rügenwalde und Demmin?

Saht bei Stettin ihr wohl die vielen Masten,
wie sie geschäftig ziehen ihre Bahn,
wie sie bei Tag und Nacht nicht rasten,
und saht ihr schon den mächtigen Vulkan?

Seid ihr die Oder aufwärts schon gefahren
und zoget ihr hinab den Oderstrom,
saht ihr den Ostseespiegel schon, den klaren,
und schrittet ihr durch Pommerns Waldesdom?

Habt Rügenwalder Spickbrust ihr gegessen,
Stralsunder Flundern und Kösliner Wurst,
Habt ihr in Pommern irgendwo gesessen,
mit pommernbräu zu löschen euren Durst?

Und lerntet ihr schon Pommerns Frauen kennen,
die stets das Herz am rechten Fleck,
und höret ihr schon Pommerns Männer nennen:
Ernst Moritz Arndt, Joachim Nettelbeck?

Und auch in diesem Völkerringen
hat Pommerntreue sich so oft bewährt,
Daheim die Pommern jedes Opfer bringen,
wenn draußen kämpft das Pommernschwert!

Das sagte ich, und alle, alle schwiegen,
sie schwiegen, weil mein Wort sie überwandt,
so wird mein Wort stets die besiegen,
die dich verachten, Pommernland

Autor: Hugo Glaeser, geb. 02.06.1864 in Massow in Pommern, gest. 29.12.1937 in Stettin

Gedichtsband: Kriegsgedichte 1917 im Gustav Karch Verlag, Stettin Vgl. Seite 83-84